Abschied

Es hat lange gedauert, bis ich mich zu dieser Entscheidung durchgerungen habe. Nun ist es jedoch an der Zeit, Adieu zu sagen.

Tierparkinfo.de war damals in 2013 mein erstes „Baby“ als Selbständige. Mit meinem Onlinemagazin habe ich in technischer Hinsicht viel Neuland entdeckt. Es war spannend, es war aufregend, ich habe mich ausprobiert, habe erste Erfahrungen als Redakteurin und Bloggerin gesammelt. Ich habe wieder unglaublich viel dazu gelernt.

Es war eine großartige Zeit, nicht zuletzt auch aufgrund der Menschen, mit denen ich zu tun hatte.

Ich grüße all jene, die mir ein Interview gaben, die mir für spannende Reportagen zur Verfügung standen, der „Neuen“ in der Szene der Berichterstatter*innen eine Chance gaben. Ihnen gilt mein größter Dank! Danke für das Vertrauen. Danke für die gute Zusammenarbeit und Danke für all die unvergesslichen Momente des gemeinsamen Lachens, aber auch der gemeinsamen Trauer bei dem, was wir zusammen erlebten. Danke!

Danke auch all meinen Leser*innen, Fans und Followers! Eure Rückmeldungen haben mich inspiriert. Ihr habt mich in meine Vision bestärkt, von einer Gemeinschaft, die den Liebhaber*innen der Zoos und Tierparks eine gemeinsame starke Stimme zu geben, durch das liken, retweeten, zitieren, kommentieren und teilen der Beiträge unterstützt. Dafür ein fettes DANKESCHÖN!

Time to say Good bye!

Tierparkinfo.de wurde damals von mir mit einer ganz konkreten Zielvorgabe gegründet:

Ich schloss eine Marktlücke, denn es gab zwar Anbieter*innen, die über Freizeitparks und nebenbei auch über Zoos berichteten, aber es gab niemanden, die/ der sich ausschließlich auf Zoos und Tierparks konzentrierte, doch sonstige Freizeitangebote links liegen ließ.

Es gab zwar einige altruistisch Engagierte, die unentgeltlich über Zoos und Tierparks berichteten, aber sie waren entweder sehr fachspezifisch-trocken angelegt, von Fachpersonal für Fachpersonal. Oder sie waren sehr klein angelegt und wurden nebenbei als Hobby betrieben.

Mein Ziel war es, Zoos und Tierparks einerseits und die große Fangemeinde andererseits professionell miteinander zu verknüpfen. Und das auf zweierlei Arten. Zum einen dadurch, dass ich beide Seiten enger miteinander verknüpfte, indem ich eine gemeinsame Kommunikationsplattform bot. Zum anderen dadurch, dass ich Zoos und Tierparks darin unterstütze, ihre Social Media-Kanäle aufzubauen, beziehungsweise zu optimieren.

Ich setzte dabei auf eine Preisgestaltung im unteren Preissegment, beim Aufbau der Anzeigenkunden. Aufgrund der Anzahl der Betriebe in der Zoobranche (allein innerhalb des deutschsprachigen DACH-Raums über 1.000) ging ich davon aus, dass ich mittelfristig mindestens 10 Zoos und Tierparks zu meiner All-inklusive-Stammkundschaft (Anzeigenschaltung + Social Media-Beratung) zählen würde und mindestens 50 weitere Betriebe als reine Anzeigenkunden gewonnen hätte.

Eine win-win-Situation für alle:

  • Für die Zoos und Tierparks eine kostengünstige Möglichkeit, um in den direkten Dialog mit den Besucherinnen und Besuchern zu treten. Ihnen Informationen über Sonderveranstaltungen und aktuelle Angebote zukommen zu lassen, ohne nennenswerte Streuverluste mit einrechnen zu müssen.
  • Für die Gemeinschaft der Zoofans die Gelegenheit, direkt mit Zoos und Tierparks zu kommunizieren und ihren Interessen in der Politik und in der Gesellschaft mehr Gewicht zu verleihen.
  • Für mich eine Gewinnmarge, mit der ich meinen Lebensunterhalt bestreiten würde. Und das mit zwei Dingen, die mir sehr am Herzen liegen: Der Weiterbildung und der Vernetzung von Menschen.

Wie heißt es doch so schön: Ich hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

Obwohl selbst über ein Jahrzehnt in der Branche tätig, hat mich die Zoobranche anfangs sehr kritisch beäugt. Es war viel Überzeugungsarbeit nötig, bis die erste Marketingabteilung mir eine Chance gab. Viel zu oft bekam ich zu hören „Wieso sollen wir dafür bezahlen? Ach nein, wir sind ja schon kostenfrei da und dort gelistet.“ und das war – gelinde gesagt – für mich sehr frustrierend. Andere oft gehörte Antworten waren, je nach Betriebsgröße und Gesellschaftsform:

  • Tierparkinfo ist zu klein, der Aufwand lohnt sich für uns nicht, melden sie sich in einem Jahr wieder, dann schauen wir mal, wie sich das Ganze entwickelt hat.
  • Sie sind ganz neu. Wir spielen doch nicht das Versuchskaninchen.
  • Wir sind zu klein für Tierparkinfo, das Ganze lohnt sich nicht, es kommen doch nicht mehr Besucher zu uns.
  • Wir haben kein Geld. Wir würden so gerne, aber das kriegen wir bei unserer Stadtverwaltung nicht durch. Die Stadt ist pleite.
  • Ich würde ja gerne. Aber mein Chef will nicht, er hält das Internet für Blödsinn.
  • „Bloß nicht, ich will nicht noch mehr Besucher. Ich weiß so schon nicht wohin vor lauter Arbeit!“

Bei einigen Einrichtungen erhielt ich sofort eine Absage. Bei anderen rief ich bis zu 20 Mal an, um überhaupt eine Verantwortliche/ einen Verantwortlichen an die Strippe zu bekommen. Um mir dann eine Absage zu holen. Oder eine Absage bei einem Folgegespräch, nachdem die begeisterte Marketingleitung mit „dem Chef“ gesprochen hatte und nicht durfte, wie sie wollte. Es waren anstrengende Wochen und Monate.

Es hat über ein Jahr gedauert, bis ich die erste Marketingleiterin eines Zoos überzeugen konnte. Endlich eine Marketingleiterin, die nicht erst Rücksprache halten musste, sondern tatsächlich selbst entscheiden konnte. Ihr laufendes Budget war ausgeschöpft, doch sie nahm mich in die Budgetplanung für 2015 auf. Ich trat in Vorleistung, lieferte bereits im letzten Quartal 2014 Berichte über ihre Einrichtung. Und ja, ich hatte sie und ihr Wort richtig eingeschätzt.

Nach zwei Jahren ohne Einkommen – während ich mit dem Schuldenberg aus Pflegekosten, Bestattungskosten und eigenen gesundheitlichen Folgekosten – nicht wenig zu kämpfen hatte, endlich der erste Auftrag!

Darauf konnte ich aufbauen. Ich hatte nun eine schlagkräftige Referenz. Der Bann schien gebrochen. Andere Kundinnen und Kunden folgten. Doch es waren lediglich Tropfen auf den heißen Stein. Tierparkinfo kam finanziell einfach nicht in Gang.

Meine Zoo- und Tierparkkunden blieben außerdem reine Anzeigenkunden. Sie nahmen meine Social Media-Coaching Tipps zwar gerne an, doch bezahlen wollten sie dafür nur spezialisierte Großagenturen, wenn überhaupt. Denn soziale Medien seien ja nicht so wichtig.

Ich entschied mich mehrgleisig zu fahren, meine Selbständigkeit auf breitere Füße zu stellen.

Zum einen gab ich bei Tierparkinfo alles, um auch meine Leser*innen, Fans und Followers an der Finanzierung von Tierparkinfo.de zu beteiligen:

  • Darum hob ich einen Fanclub aus der Taufe, mit eigenem Clubausweis und Bonusprogramm, an dem Zoos und Tierparks sich mit vergünstigten Eintrittspreisen, Sonderführungen und Sachgeschenken beteiligen konnten.
  • Ich bot vergünstigte Clubfahrten zu Zoos und Tierparks an, mit Blick hinter die Kulissen.
  • Wurde zur Designerin und bot Grußkarten und diverse Fanartikel an.

Zum anderen nahm ich Kundschaft als Social Media-Coach nun auch außerhalb der Zoobranche an:

Verlagswesen, Einzelhandel, Großhandel, Dienstleistungssektor, Vereine, Stadtverwaltung und nicht zuletzt die Beratung von Berater*innen.

Tierparkinfo dümpelte vor sich hin.

  • Ich bat den VdZ seine Mitglieder auf Tierparkinfo hinzuweisen – und erhielt nicht einmal eine Antwort.
  • Es kamen keine neuen Anzeigenkunden hinzu.
  • Meine Leser*innen, Fans und Followers fanden meine Beiträge toll. Aber Fanartikel kaufen oder Mitglied im Club werden – das wollten gerade mal 6 Menschen. Und das bei über 3.300 Fans auf Facebook, über 600 „Kreis-Followers“ auf Google plus, über 150 Followers auf Twitter. Von den anderen sozialen Netzwerken fang ich gar nicht erst an.

Ich gebe mich nicht so leicht geschlagen. Also bat ich schließlich die Community mich via Crowdfunding zu unterstützen. Der Erfolg war auch hier mäßig. Vorsichtig ausgedrückt. Mir wurde in diesem Zusammenhang sogar einiges unterstellt, über das ich mich noch immer ärgere. Doch sei es wie es sei. Das war nicht kriegsentscheidend, wenn es auch seinen Teil zu meiner Entscheidung beigetragen hat.

Zum mitmeißeln:

  • Nur wenige Betriebe der Zoo- und Tierparkbranche haben ein Interesse daran, über den eigenen Tellerrand zu schauen und eine überregionale Fangemeinde zu nutzen.
  • Keine 10 Mitglieder aus einer über 4.000 Mitglieder starken Community waren bereit, sich finanziell am Erhalt der Community zu beteiligen.

Ich versuchte Tierparkinfo mit mehreren Brückenjobs (Büroarbeiten im Auftrag und Angestelltenverhältnisse in Teilzeit, aber auch Jobs auf Mini-Jobbasis und Teilzeit als Reinigungskraft) über Wasser zu halten.

Parallel nahm mein Coaching-Angebot außerhalb der Zoobranche an Fahrt auf.

Dann spielte meine Gesundheit nicht mehr mit. Ich hatte mir zu viel zugemutet.

Tierparkinfo kam zum erliegen.

Ich konzentrierte mich auf mein Tätigkeit als Social Media-Coach. Baute im Hintergrund mein diesbezügliches Angebot aus, während ich weiterhin Brückenjobs annahm und in ruhigen Momenten über die Zukunft von Tierparkinfo grübelte.

Es gab Fortschritte und Rückschläge bei der Neuausrichtung meiner Selbständigkeit (weg von Tierparkinfo, hin zum reinen Coaching und thematisch breiter aufgestelltem Bloggen) – wie das halt so ist im Leben. Doch es geht mit riesigen Schritten in die richtige Richtung!

Meine Kundinnen und Kunden empfehlen mich weiter. Sie wissen, was sie selbst an mir haben.

Und ich kommuniziere die Gesamtheit meines Angebots nun seit April 2019 sogar noch klarer, als bisher schon. Nicht mehr in einer Übersicht, sondern verteilt auf mehrere spezifizierte Bereiche. Auf Themen-Websites, die ich gerade aufziehe (was ich gleich mit einem Hosterwechsel, und einer massiven technischen Aufrüstung hinsichtlich Sicherheit und Performance verbinde).

  • Auf Carmen-Splitt.com geht es um mein Gesamtportfolio als Coach und Mentorin. Also um Social Media-Coaching in Bezug auf den Betrieb und die Optimierung von Social Media-Konten und den Betrieb und die Optimierung von Websites, sowie um entschleunigtes Marketing, um allgemeine Technikfragen, um Werte-Kommunikation und um Vorsorge. Die Seite wurde gerade im April 2019 frisch von mir erstellt und ist nun meine neue Haupt-Website für alle geschäftlichen Bereiche. Mein Angebot als Social Media-Coach richtet sich an Selbständige, an Pastorinnen und Pastoren, sowie – weiterhin – an Mitarbeiter*innen von Zoos und Tierparks (manchmal gelingt es einigen ja doch, die Vorgesetzten davon zu überzeugen, dass weder Internet noch soziale Medien noch „neumodisches Zeug“ sind).
  • Auf TemSM.de geht es speziell darum, wie ein Blog aufgebaut, betrieben und optimiert wird. Es geht um WordPress, Themes, Plugins, WooCommerce und andere Shopsysteme, um Newsletter-Erstellung – kurz und gut, es geht um technische Fragen, Inspiration und Kreativität.
  • Auf Ichsterbnur1x.de geht es um die Themen bucket list, Vorbereitung der eigenen Beerdigung, Trauerformen und Umgang mit Trauernden, digitales Erbe und moralisches Testament.
  • Auf MeP-Konzept.info habe ich mein Angebot für Existenzgründer*innen ausgelagert. MeP-Konzept ist meine erste Marke, die ich mit einer Geschäftspartnerin aufbaue, Jeannette Ackermann aus der Schweiz. In 2018 haben wir den Grundstock gelegt und auf kostenfreier Basis die ersten Test-Kunden angenommen, um unsere Inhalte auf Herz und Nieren zu prüfen. Einige gingen, andere blieben, manche wurden bereits zu zahlender Kundschaft außerhalb des abgeschlossenen Tester*innen-Vertrages. Dieser Bereich entwickelt sich gut. So gut, dass Jeannette und ich uns entschieden haben mit unserer Website MeP-Konzept.info von WordPress umzuziehen, denn spätestens in 3 Jahren, werden wir an Kapazitätsgrenzen stoßen. Wir ziehen daher jetzt schon um und setzen komplett auf ein deutsches StartUp Unternehmen, dass uns die technische Komplettlösung für Inbound-Marketing bietet. Der Umzug läuft. Die „alten“ Inhalte sind schon im neuen System, zurzeit ergänzen wir neue Inhalte, bauen einen geschlossenen Bereich als Akademie für Gründer*innen auf und werden (vermutlich im August/ September 2019) den Schalter umlegen, die WordPress-Website platt machen und auf unsrem neuen System re-launchen.
  • Und gibt es da noch meine private Haupt-Website Carmen-Splitt.de auf der es um mich als Mensch geht, darum, wer ich bin und warum. Sowie einige weitere Websites, auf denen ich meine Werte jeweils einem bestimmten Zielgruppen-Publikum vermittle.
  • Und dann ist da noch Tierparkinfo.de.

Am 26. Mai 2019 dachte ich noch: ich lasse Tierparkinfo weiter ruhen, bis ich mit allem anderen soweit bin und dann fasse ich Tierparkinfo.de an und gebe dem Magazin noch eine allerletzte Chance.

Dann hatte ich einige unruhige Nächte, in denen ich darüber nachdachte, dass ich aus Sicherheitsgründen über 2.000 Dateien manuell bearbeiten muss, um mit Tierparkinfo einen vernünftigen Neustart hinzulegen. Nebenbei. Während ich nicht nur im Alltagsbetrieb stecke, sondern parallel neue Themen-Websites, neue Marken und zwei Akademien hochziehe.

Realistisch gesehen würde ich (wenn ich jeden Tag durchschnittlich 5 Dateien bearbeite) unter diesen Umständen etwas über ein Jahr brauchen. Viel zusätzliche Arbeit. Was mich noch nie abgeschreckt hat. Doch hier stellt sich die Frage „Wofür?“.

Tierparkinfo.de ist nicht rentabel. Tierparkinfo kann auch nicht als Hobby betrieben werden.

Die Entscheidung ist gefallen. Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen. Tierparkinfo.de wird im Dezember 2019 komplett gelöscht und die URL aufgegeben. Bis dahin werden lediglich die notwendigsten technischen Arbeiten durchgeführt. Einige besonders gute Artikel werden eventuell vor der Löschung noch in andere Formate mitgenommen. Und das war es dann!

Tierparkinfo.de zu gründen und zu betreiben war für mich eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte.

Inklusive Erstellung, Aufbau, Entwicklung, Hosting, technische Absicherung und Marketingmaßnahmen habe ich in etwa 19.000 Euro investiert. (Wobei ich wohlgemerkt, da meine ungezählten Arbeitsstunden nicht mit eingerechnet habe. Auch nicht all die Feiertage, Wochenenden und Nächte, die ich mir mir Recherche und Materialproduktion um die Ohren schlug.)

Eingenommen habe ich vom März 2013 bis Juni 2019 mit diesem „Standbein“ meiner Selbständigkeit keine 2.000 Euro. Ein glasklares Verlustgeschäft. Ein hohes Lehrgeld, was ich da gezahlt habe. Und die Zeit ist gekommen, diesen Ballast abzuwerfen.

Andererseits hat mich dieses Verlustgeschäft in anderer Hinsicht voran gebracht.

Es hat mir neue Wege eröffnet. Ich ging andere Wege, als ursprünglich geplant. Und wow, was habe ich in dieser Zeit nicht alles dazugelernt. Mein Wissen teile ich nun mit viel mehr Menschen, als es mir mit Tierparkinfo.de je möglich gewesen wäre. Diese Wege habe ich aus der Not heraus gefunden. Aber sie sind wundervoll.

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