45 Zoos stellen Daten für wissenschaftliche Studie zur Verfügung!

Zoologische Gärten und Tierparks sind bemüht, gefährdete Tierarten vor dem endgültigen Aussterben zu bewahren. Beim Nördlichen Breitmaulnashorn bleibt inzwischen nur noch die vage Hoffnung auf Laborerfolge (Tierparkinfo.de berichtete). Auch beim Südlichen Breitmaulnashorn gestaltet sich die Nachzucht schwierig. WildtierexpertInnen Annika Posautz, Felix Knauer und Chris Walzer vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Vetmeduni Vienna haben mit Hilfe einer europaweiten Onlineumfrage in Zoos erhoben, welche Probleme es bei der Haltung der Tiere gibt. Das Ergebnis: Nashörner werden häufig ohne ausreichende Diagnose mit Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamenten behandelt. Tatsächliche Erkrankungen werden so möglicherweise übersehen. Insgesamt 70 Zoos wurden um eine Beteiligung an der Onlineumfrage gebeten, 45 nahmen teil, darunter auch ein Zoo aus Israel. Die erhobenen Daten basieren auf insgesamt 159 Nashörnern. Die Studie wurde im Journal of Zoo and Aquarium Research veröffentlicht.

Mit der Umfrage wurde eruiert, welche Unterschiede es bei den Haltungsbedingungen gibt und welche Erkrankungen bei den Tieren häufig vorkommen. „Wir wollten herausfinden, welche Probleme es in europäischen Zoos gibt und was verbessert werden könnte. Mit Ausnahme des Reproduktionstraktes ist aus der wissenschaftlichen Literatur bislang nur wenig zur Gesundheit dieser Nashörner in Gefangenschaft bekannt. Auch das Management in den unterschiedlichen Zoos ist sehr verschieden“, erklärt Posautz, Erstautorin der Studie.

Die Haltung des südlichen Breitmaulnashorns in Zoos gilt als einfach. (Foto: Chris Walzer/Vetmeduni Vienna)

Die Haltung des südlichen Breitmaulnashorns in Zoos gilt als einfach. (Foto: Chris Walzer/Vetmeduni Vienna)

Die Umfrage wurde ausgewertet, die Ergebnisse liegen nun vor. Die Nashörner leiden vor allem unter Erkrankungen der Haut. Ursachen und Verlauf sind leider nur selten im Detail festgehalten. Ein Manko, das im Sinne der Arterhaltung von den Zoos dringend angegangen werden muss. Auch Verdauungsorgane, inklusive Zahnstatus, sowie Fortpflanzungsorgane sind von Erkrankungen häufig betroffen. Darm- und Magenentzündungen stellen bei der Haltung von Breitmaulnashörnern ein großes Problem dar. Vor allem auch deswegen, weil die eigentliche Ursache hierfür oft nicht erkannt wird. Und, wie leider auch oft beim menschlichen Patienten, zu Antibiotika gegriffen wird, ohne dass Laborergebnisse vorliegen, die die Diagnose absichern.

„In vielen Fällen werden die Tiere nur oberflächlich untersucht. Die tatsächlichen Ursachen der Erkrankungen können deshalb selten gefunden werden“, meint Posautz. „Das hat auch damit zu tun, dass Zootierärztinnen und Zootierärzte leider immer noch zögerlich sind, die Nashörner für eine ausführliche Untersuchung und Therapie zu narkotisieren.“ Für viele TierärztInnen ist eine Wildtiernarkose mit großem Aufwand und einem vermeintlichen hohen Risiko verbunden.

Stattdessen werden regelmäßig über viele Monate Antibiotika und entzündungshemmenden Medikamente verabreicht. Wie bereits erwähnt, in vielen Fällen ohne exakte Diagnose und langfristig. Das ist ein Umfrageergebnis, dass nicht nur die Forschenden überrascht und besorgt. Es stimmt nachdenklich, dass hier Erkenntnisse und Empfehlungen zum Vorgehen aus der Humanmedizin nicht längst Einzug in die Welt der Behandlung von Zootieren gefunden haben.

„Solche Medikamente sind für kurzzeitige Behandlungsmaßnahmen gut geeignet. Eine dauerhafte Gabe, ohne fundierte Diagnose, ist in unseren Augen gefährlich für die Tiere“, betont Posautz. „Tatsächliche Erkrankungen, an denen das Tier leidet, bleiben so versteckt.“
Die Empfehlung der Wildtierexpertin und Tierärztin Posautz lautet: „Regelmäßige Untersuchungen, wie beispielsweise parasitologische Screens und Blutuntersuchungen könnten viele Erkrankungen im Vorfeld verhindern. Auch medizinische Trainings-Programme und der Einsatz von Narkosen für rechtzeitige und ausführliche Untersuchungen und Therapien müssen in Betracht gezogen werden.“

Also nicht erst den Gesundheitszustand der Tiere ins Visier nehmen, wenn Erkrankungen offensichtlich geworden sind. Sondern durch regelmäßige Laboruntersuchungen von Blut und Ausscheidungen sich als Zootierärztin/ Zootierarzt in die Lage versetzen, rechtzeitig agieren zu können, statt sich auf das reagieren beschränken zu müssen. Und darüber hinaus in der Position zu sein, die Tiere effektiver behandeln zu können.

Die Tiere in Narkose zu legen, ist oft die Voraussetzung für eingehende Untersuchungen und das richtige Erkennen des Krankheitsbildes. (Foto: Chris Walzer/Vetmeduni Vienna)

Die Tiere in Narkose zu legen, ist oft die Voraussetzung für eingehende Untersuchungen und das richtige Erkennen des Krankheitsbildes. (Foto: Chris Walzer/Vetmeduni Vienna)

 Die Studie wurde im Journal of Zoo and Aquarium Research veröffentlicht unter dem Titel „Health and health management of captive white rhinoceroses (Ceratotherium simum): results from an online survey“ von Annika Posautz, Felix Knauer und Christian Walzer und kann hier nachgelesen werden: http://www.jzar.org/jzar/article/view/91

Zusatzinfo zur Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna). Die Universität ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna.

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