Affentransfer – seltene Goldkopflöwenaffen für den Tierpark Görlitz-Zgorzelec

Wenn es um seltene Tierarten und ihre Erhaltungs- und Nachzucht in Zoologischen Gärten und Tierparks geht, hat die Zuchtbuchführerin oder der Zuchtbuchführer der Tierart das letzte Wort. Denn wer das Zuchtbuch führt, hat den besten Überblick über vorhandene Genkombinationen und über die Haltungssituationen in den einzelnen Einrichtungen. Es gibt dabei jedoch eine Ausnahme und zwar, wenn die Regierung eines Staates als dritte Partei mit ins Spiel kommt.

Die Tiere sind dann nicht das Eigentum der sie haltenden Einrichtungen, sondern nur in deren Besitz. Eigentümer und damit Rechteinhaber ist jedoch der entsprechende Staat und damit ist er bei allen Entscheidungen derjenige, der das letzte Wort hat. Das kann, je nach politischer Lage, einer bedrohten Tierart mitunter schaden. Wenn politische Erwägungen einen Einfluss darauf haben, welche Einrichtung welche Tiere erhält oder auch nicht, führt dies nun einmal nicht immer zum besten Ergebnis im Sinne der Tierart. Wenn die Politik sich jedoch darauf beschränkt, ein zusätzliches Paar Augen darzustellen, um die im eigenen Land heimischen Tierarten bestmöglichst zu schützen, ist dies anzuerkennen und zu begrüßen. Nach meiner Einschätzung gehört Brasilien im Fall der Goldkopflöwenaffen (Leontopithecus chrysomelas) zu den Staaten der zweiten Variante.  Es gibt diese Affenart in freier Wildbahn nur noch in einem einzigen Bundesstaat Brasiliens, im Regenwald von Bahia. Ihre Haltung und Zucht wird über ein Europäisches Erhaltungszuchtprogramm (EEP) koordiniert. In menschlicher Obhut gezüchtete Tiere konnten bereits wiederangesiedelt werden. Eigentümer aller im Zuchtprogramm geführten Tiere, bleibt der brasilianische Staat.

Und so musste vor dem Umzug zweier der seltenen Goldkopflöwenaffen vom niederländischen Affenpark „Apenheul“ in den deutschen Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec, von brasilianischen Behörden intensiv die Sachlage geprüft werden. Brasilien hat mit dem Tierpark einen Tierüberlassungsvertrag abgeschlossen. Solch ein Vertrag ist unter anderem erforderlich, um für alle Beteiligten deutlich festzulegen, wie die Eigentumsverhältnisse sind. Es wird festgehalten, für welchen Zeitraum die Tiere überlassen werden und welche Haltungsbedingungen für die Tiere erfüllt werden müssen. Ebenfalls geregelt wird, wie mit möglichen späteren Jungtieren zu verfahren sein wird. Zwar handelt es sich bei den Neuzugängen im Naturschutz-Tierpark Görlitz-Zgorzelec um zwei männliche Tiere, um Brüder um genau zu sein, doch ist es möglich, dass zu einem späteren Zeitpunkt weibliche Tiere hinzukommen. Also werden im Vertrag möglichst alle Eventualitäten berücksichtigt.

Angekommen sind die beiden in ihrer neuen Heimat schon im vergangenen Dezember, doch erst jetzt, da die Temperaturen langsam steigen, präsentieren sich die zwei Brüder „Fuego“ und „Sima“ regelmäßig den Besuchern. Ein Besuch lohnt sich. Denn wann sieht man sonst schon eine kleine Löwenmähne durch die Baumkronen huschen?

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