Auswilderung von 24 Brachvögeln ermöglicht

Brachvögel sind inzwischen in Deutschland leider nur noch recht selten zu sehen. Ihre Lebensräume schwinden, denn die Landschaft hat sich in den vergangenen Jahrzehnten radikal geändert. 

Die Wiesenvögel ernähren sich hauptsächlich von Insekten. Sie fressen gerne Würmer und andere Wirbellose, die sie mit ihrem langen schmalen, leicht gebogenen, Schnabel in sumpfigen Böden finden. Sie fressen auch gerne Beeren. Sie lieben Flächen mit niedrigem Bewuchs, in für sie überschaubarem Gelände. Dort brüten sie gerne und ziehen in Ruhe ihre Jungen auf. Diese Beschreibung lässt bereits erkennen, welchen Problemen Brachvögel in Deutschland gegenüberstehen. Viele Sümpfe wurden trockengelegt. Das gleiche gilt für Feuchtwiesen. Wir alle tragen durch unsere Wünsche nach ausgebauten Verkehrsnetzen, zusätzlichen Wohngebieten und Industriezentren dazu bei. Nicht zuletzt verursachen wir das Problem durch unseren Wunsch nach möglichst billigen Lebensmitteln und Treibstoff. Die Landwirte werden sowohl durch unser Verhalten als Konsumenten, als auch durch politische Entscheidungen, wie zum Beispiel durch die Zielsetzung bei Fördermitteln, dazu angehalten, immer größere Erntemengen auf gleicher Landfläche zu erzielen. Dies führt zu Monokulturen und einer stetig schneller werdenden Fruchtfolge. Brachvögel und andere Bodenbrüter verlieren so die Möglichkeit, ihre Gelege in Ruhe auszubrüten. Schaffen sie es zu brüten und kann der Landwirt Rücksicht darauf nehmen, ist zudem die Gefährdung durch Fressfeinde enorm hoch. Füchse und andere Räuber haben gelernt, dass sie die geraden Reihen von Maisfeldern nur eine nach der anderen ablaufen müssen, bis sie zu den in den Feldern „versteckten“ Nestern kommen.

Das Wigen und Beringen der Brachvögel

Manfred Kipp und Tierpflegerin Miriam Kraus beim Wiegen und Beringen

Damit es auch zukünftig noch Brachvögel in Deutschland gibt, ist ein Umdenken erforderlich. Der Tierpark Nordhorn unterstützt engagierte Vogelschützer und hilfsbereite Landwirte bei ihren diesbezüglichen Bemühungen. Jedes Jahr werden von ehrenamtlichen Vogelschützern und aufmerksamen Landwirten in Absprache mit Ralf Iselhorst vom Wiesenvogelschutzprojekt Syen-Venn aus der ganzen Region die Eier von bereits zerstörten oder gefährdeten Gelegen in den Tierpark gebracht. Oftmals stammen diese Eier aus Gelegen, die früh im Jahr auf landwirtschaftlichen Flächen, zum Beispiel Maisäckern, gelegt wurden. Bei der Bearbeitung dieser Flächen würden die Gelege zerstört werden, so dass es der Aufmerksamkeit und Rücksichtsnahme der Vogelschützer und Landwirte zu verdanken ist, wenn die Eier vor der Zerstörung gerettet werden können. Grundsätzlich stellt der Verlust des Erstgeleges für die meisten Vogelarten kein sonderliches Problem dar, denn bereits kurze Zeit später legen sie in aller Regel ein sogenanntes Zweitgelege an. Dieses wird dann, weil die Maisfelder durch die höher gewachsenen Pflanzen bereits unattraktiv sind, oftmals sogar an einem viel geeigneteren Ort abgelegt. Wenn die Vögel ihr Zweitgelege großziehen können und zusätzlich die Eier des ersten Geleges gerettet werden können, verdoppelt sich durch den Rettungsakt jedoch im besten Falle sogar die Jungvogelanzahl. Im Tierpark Nordhorn werden die geretteten Eier in Brutmaschinen ausgebrütet. Die Aufzucht der Jungvögel erfolgt dann in Gruppen, damit die Bindung an den Menschen möglichst gering bleibt.

Auswilderung der Brachvögel

Hier kann Mafred Kipp die Brachvögel auswildern.

Alle Wiesenvögel werden vor der Auswilderung mit sogenannten Helgolandringen beringt. Dazu kommt ein Brachvogelexperte, Manfred Kipp, in den Zoo. Zusätzlich zu den Helgolandringen erhalten die Brachvögel noch spezielle Farbringe, werden gewogen und vermessen. Jeder Vogel ist also erfasst, individuell gekennzeichnet und kann bei späteren Beobachtungen eindeutig identifiziert und zugeordnet werden. Das ist für die Erforschung der heimischen Wiesenvogelbestände besonders wichtig. Nur so können Daten über den Verbleib, das Alter, die Wander- und Zugrouten sowie die Reviertreue der Vögel in Erfahrung gebracht werden.
Für die Auswilderung suchen Manfred Kipp und seine Kollegen Gebiete aus, in denen sie zuvor Brutpaare mit ungefähr gleichaltrigen Jungvögeln gesichtet haben. So erhalten die noch unerfahrenen Jungvögel aus der Auffangstation des Tierparks im Freiland gleich Anschluss an Artgenossen gleichen Alters sowie deren erfahrene Elterntiere. Im Rekordjahr 2015 wurden 24 junge Brachvögel von den Mitarbeitern der Auffangstation des Tierparks Nordhorn erfolgreich großgezogen. Die Vögel tragen wesentlich zur Stabilisierung und zum Erhalt der bedrohten einheimischen Wiesenvogelwelt bei. Die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten führt in der Summe gesehen zu einem nachweislichen Erfolg des Wiesenvogelschutzes in der Grafschaft Bentheim, dem Emsland, dem nördlichen Münsterland und den benachbarten Niederlanden. Vor allem aber stellt dies Engagement einen echten Gewinn für die bedrohten Wiesenvögel, und hier insbesondere die Brachvögel, der Region dar. Die Brachvögel bekommen so eine Chance auf eine Zukunft in Deutschland.

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