Den Regenwald zu Kunst gemacht

Gleich drei Fliegen mit einer Klappe wurden im Zoo Osnabrück geschlagen. Erstens haben sehr unterschiedliche Menschen  einen besonderen Bezug zum Regenwald und seinen tierschen Bewohnern bekommen. Zweitens haben die Menschen sich gegenseitig besser kennengelernt. Drittens drückt sich beides in vielen verschiedenen kleinen Kunstwerken aus. Kurz, dieses Projekt war eine Bereicherung für alle!

Zwei Wochen lang besuchten zehn Beschäftigte des KunstContainers der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück (HHO) vor den Sommerferien montags, mittwochs und freitags den Zoo Osnabrück. Immer mit dabei: Mittelstufenschüler der Heilerziehungspflege des Berufsbildungswerkes Osnabrück Land e.V. (bbw), die die Menschen mit Hilfebedarf unterstützend begleiteten. Im Zoo bildete Zoopädagogin Katja Lammers die Teilnehmer zu „Regenwaldbotschaftern“ aus. Im Rahmen des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt finanzierten Projektes „Affenstarke Regenwaldbotschafter“ ging es zu Tieren, die aus dem asiatischen, afrikanischen und südamerikanischen Regenwäldern stammen. Dabei ging es auch um Fragen wie „Warum wird der Regenwald zerstört?“, „Was bedeutet das für die Tierwelt?“ und „Was kann jeder von uns dagegen tun?“. Mithilfe von Orang-Utans, Flachland-Tapiren und Piranhas erklärte Lammers, warum der Regenwald so wichtig für Tiere und Menschen ist und wie sich die Tiere an diesen besonderen Lebensraum angepasst haben. An den restlichen Wochentagen wurde das neue Wissen im KunstContainer der HHO aufgearbeitet. Der KunstContainer ist ein offenes Angebot der Osnabrücker Werkstätten, das rund 60 Beschäftige jede Woche nutzen. Dort können sie selbstbestimmt an ihren Kunstwerken arbeiten.

Für die Heilerziehungspfleger gehören Projekte wie dieses zur Ausbildung, wie Jutta Schlochtermeyer, Schulleitung des Berufsbildungswerks Osnabrücker Land e.V., erklärt. „Das Ziel des Projekts war ein gleichberechtigter Dialog zwischen den angehenden Heilerziehungspflegern und den Teilnehmern mit Hilfebedarf des KunstContainers. Durch den Zoobesuch und das Umweltthema, an dem die Gruppe arbeitete, gelang uns dies ganz ungezwungen. Die Teilnehmer arbeiteten auf Augenhöhe an dem Projekt und haben zudem noch eine Menge über den Regenwald und seine Bewohner gelernt“, freut sich Schlochtermeyer. Die gemeinsame Reflexion des Projekts im Nachgang mit den Schülern habe ihn besonders beeindruckt, erklärt der Leiter des KunstContainers Christoph Seidel: „Die Heilerziehungspflege-Schüler waren von den Fertigkeiten der Menschen mit Behinderung überrascht und davon, dass sie sich noch einiges von ihnen abschauen konnten. Die Gruppe war sehr heterogen und die Eindrücke der Teilnehmer sind entsprechend ziemlich unterschiedlich. Für manche Projektteilnehmer waren einzelne Tiere oder auch die Tierwelt im Allgemeinen besonders spannend, für andere eher die Zerstörung des Regenwaldes.“ In den zwei Wochen arbeiteten die Teilnehmer des Projekts intensiv an ihren Werken und es entstanden Zeichnungen, kleinformatige Malereien auf Papier und Kleinplastiken aus verschiedenen Materialien. Das Projekt führten die HHO und das bbw nun in dieser Form das zweite Jahr in Folge durch. „Es ist toll, im Zoo immer wieder neue Impulse zu bekommen, die dann künstlerisch umgesetzt werden“, so Seidel.

Hier ist wieder der Brückenschlag zwischen verschiedenen Aspekten unserer Kultur geschlagen worden. So, wie es sein soll.

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