Der zoologische Umgang mit toten Tieren

Erinnern wir uns. Im Februar 2014 wurde im Zoo von Kopenhagen ein Giraffenbulle getötet und anschließend vor interessierten Besuchern fachgerecht zerteilt und dann an die Löwen des Zoos verfüttert. Schon im Vorfeld wurde das Vorhaben kritisiert. Es wurde zum Auslöser für starke Proteste, insbesondere innerhalb der Sozialen Medien. Gar zu Morddrohungen gegen den Zoodirektor wurde sich verstiegen. Der Zoo blieb bei seiner Entscheidung. Mit dem Giraffenbullen wurde wie angekündigt verfahren. Was auf völliges Unverständnis derjenigen stieß, die sich für eine Änderung der Pläne eingesetzt hatten.

Am kommenden Donnerstag, den 15. Oktober 2015, wird der dänische Zoo in Odense öffentlich einen Löwenkadaver sezieren. Vor neun Monaten wurde das Tier getötet, weil der Bestand zu groß war. Der Körper befindet sich seither in der Kühlung. Den interessierten Besuchern werden die Hauptorgane beim Sezieren erläutert. Auf besondere Wünsche bezüglich zu erklärender Körperteile, wird man eingehen. Der Zoo Odense hat schon häufiger Tiere vor den Augen der Besucher seziert. Es kam bisher zu keinen nennenswerten Protesten.

Wird es sie diesmal geben? Und falls ja, warum?
Jedem ist bewusst, dass es nicht nur Pflanzenfresser unter den Tieren gibt. Im Gegensatz zum Menschen, haben Löwen, Haie, Mangusten, Spinnen & Co. nun einmal nicht die Möglichkeit, sich für eine vegetarische Ernährungsweise zu entscheiden. Werden Raubtiere gehalten, so müssen diese also (je nach Spezies) mit Insekten, Fisch oder Fleisch gefüttert werden. Soweit dürfte Einigkeit bestehen. Zoos und Tierparks versorgen ihre Raubtiere möglichst mit hauseigenen Tieren, hauptsächlich aus zwei Gründen. Zum einen, um die ununterbrochene Versorgung mit qualitativ hochwertigen Futtertieren zu gewährleisten. Zum anderen, um die Kosten besser kalkulieren und so niedrig wie möglich halten zu können. Die Zucht und Verwendung von Insekten, Mäusen, Ratten und Meerschweinchen als Futtertiere wird von der breiten Öffentlichkeit akzeptiert. Bei im Zoo gezüchteten Ziegen, Schafen, Schweinen und Rindern ist dies schon schwieriger zu vermitteln. Die Verwendung von sonstigen hauseigenen Säugetieren als Futtertiere, insbesondere von Exoten, ruft massive Proteste in der Öffentlichkeit hervor. Das gleiche gilt für die Nutzung von toten Zootieren für Bildungszwecke. Und wenn dann auch noch Kinder mit einbezogen werden sollen, wenn es um das Thema Tod geht und was dann mit Tieren (geschweige denn Menschen) danach passiert, ist für Teile der Bevölkerung eine ungeheuerliche Zumutung. Zumindest in Deutschland. In Dänemark sieht man die Dinge gelassener. Vielleicht ticken die Dänen anders. Oder vielleicht ist einfach nur ihr Bildungssystem besser. Denn in Dänemark ist es üblich, dass Schulkinder Schlachthöfe besuchen und die Schlachtung von Rindern und Schweinen miterleben.

Aus meiner Sicht wird es Zeit, dass auch in Deutschland ein Bewusstsein dafür geschaffen wird, dass nur Vegetarier sich ausschließlich von Pflanzen ernähren. Es wird Zeit, dass auch Schulkinder in Deutschland wieder lernen, wie die geliebte Leberwurst fabriziert wird und das Schnitzel nicht vom Baum gepflückt werden. Und es wird Zeit, dass erwachsene Menschen akzeptieren, dass Raubtiere in Zoos und Tierparks nicht zu Vegetariern mutieren und es einen Kreislauf des Lebens gibt, der in den Einrichtungen von Menschen gesteuert werden muss, da viele der natürlichen Ausleseverfahren entfallen.

Doch zurück zur Ausgangsfrage. Was hat sich im zoologischen Umgang mit toten Tieren geändert durch die Sozialen Medien geändert? Mehr Menschen, inklusive Kinder, erfahren, dass Löwen und Co. keine Karotten fressen. Wer Interesse daran hat, kann heute außerdem leichter erfahren, wann und wo Ganzkörper von Tieren verfüttert oder tote Tiere seziert werden. Der interessierte Besucher ist dabei also nicht mehr auf Glück und Insidertipps angewiesen. Wer grundsätzlich gegen entsprechende Vorhaben ist, kann leichter mit Gleichgesinnten zusammenfinden und Proteste organisieren. Durch die vermeintliche Anonymität der Sozialen Medien fallen Hemmschwellen dabei leichter, als in der nicht-digitalen Welt. Was zu bedauerlichen Auswüchsen führt.
Die Sozialen Medien haben eine gewisse Macht, die nicht unterschätzt werden darf. Doch sie endet dort, wo man sich entschließt, sie enden zu lassen. So können sich Gegner von Ganzkörperfütterungen und öffentlichen Tiersezierungen zwar darauf verlassen, dass sie das Recht haben, ihre Meinung medienwirksam zu vertreten. Aber sich eben auch damit abfinden müssen, dass diejenigen, denen ihr Protest gilt, diesen zwar zur Kenntnis nehmen, doch deswegen noch lange nicht ihre Absichten zu ändern haben. Denn nur, weil man eine andere Meinung anhört, heißt das noch lange nicht, dass man die eigene aufgibt.

Beispielbild für einen Löwen

Nur ein Löwe von vielen in der Zoo- und Tierparkwelt. Wie er eines Tages stirb, steht noch nicht fest.

 

English version:

How zoos and animal parks deal with dead animals. What changed because of the Social Media?

Just remember that in February 2014 a male giraffe was killed at the zoo Copenhagen. In front of interested visitors he was dissected and was given as food to the lions. Even in advance the plan was criticized. There were heavy protests against, especially at the Social Media. The zoo director itself did get murder threats by some extremists. Nevertheless the zoo did not change the decision. They did handle the giraffe bull as pronounced. And people who did fight for a change did not understand this at all.

On next Thursday, October the 15th 2015 the Danish zoo at Odense is going to dissect the cadaver of a male lion in public. This lion was killed nine month ago because the population was too big. And afterwards they cooled down the body for conservation. To all interested visitors they will explain the main organs during dissect the body. If there are special interest for other body parts, they will them integrate too. The zoo Odense dissected animals also in the past and there were no noteworthy protests anytime.

What about this time? Will there be protests and if so, why?
Everybody knows that not all animals are plant eaters. In contrary to human beings animals like lions, sharks, mongooses, spiders & Co. do not have the possibility to decide for a vegetarian feeding. If you keep raptors you therefore have to feed them with insects, fish and flesh, I am sure that everybody agrees to this point.

Zoos and animal parks try to provide their raptors with their facility-own food-animals. They have got two main reasons for. First they have got an not-disturbed provide with high-quality food-animals. Second it is easier to calculate and to hold down the costs. The breeding and using of insects, mice, rats and guinea pigs are already accepted by public. It is a little bit more difficult with goats, sheep, pigs and cattle. The using of other mammals as food-animals, especially if they are exotics, provokes heavy protests by public. And it is the same if you use the dead zoo animals for scientific causes. Moreover, if you involve kids to the item of death and what happens to animals (and human beings) after being killed, it is an imposition for parts of the public. In Germany at least it is an imposition. In Denmark you have got a more relaxed position. Maybe the Danes have got a different mentality or just the better education system. It is usual that Danish pupils visit slaughterhouses and witness the slaughtering of cattle and pigs.

To my opinion it is time that also in Germany people become to know that just Vegetarians only eat plants. It is time that also pupils in Germany train again how the beloved liver sausage is fabricated and that an escalope will never picked up at trees. And it is also time that adults accept that raptors at zoos and animal park never will mutate to Vegetarians and that there is a circle of life that is directed by human beings at the facilities, vecause a loz of the natural selection processes do not apply.

But let´s go to the initial question again. What did change in the dealing of zoos and animal parks with dead animals, because of the Social Media? More people, including kids, become information about, that lions and Co. do not feed carrots. It is easier to get knowledge about whole-body feeding and dissections of animals for them who are interested in. Interested visitors have not to count on luck or insider tips anymore. People who are strictly against such events easier find together and it is also easier to organize protests against. Because of the supposed animosity if the social media the overcoming of inhibitions are faster than in the non-digital world. That under circumstances causes regrettable failures. Social media have got a kind of power which nobody should discount. But this power ends where you decide to let it end. The enemies of whole-body feeding and public animal dissections have got the right to declare their opinion well-covered by the media. But they also have to accept that those who are the receiver of their protests already take notice of, but that it is not a reason at all for to change their purpose. Equal if you listen to a different mind, it does not mean, that you give up your own.

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