Die grundlegende Ausbildung für einen wohlerzogenen Hund

Hundeerziehung, 1 x 1Auf den Hund gekommen

Unabhängig von Rasse und Temperament haben alle Hunde eine Gemeinsamkeit. Sie sind wahre Meister darin, ihre Menschen zu erziehen. Mit Beharrlichkeit und Charme erobern sie sich einen Platz auf dem Sofa oder erbetteln einen Anteil vom Mittagstisch. Weitaus problematischer wird es, wenn der Hund während der täglichen Spaziergänge ungehorsam ist. Ständiges Zerren an der Leine macht das Ausführen des Hundes zu einem nervenaufreibenden Kraftakt und eine Tätigkeit, die Spaß machen sollte, wird dadurch zur lästigen Pflichtübung. Eine plötzlich straff über den Bürgersteig gespannte Leine kann schnell zur Stolperfalle für andere Passanten werden. Sollte hierdurch ein anderer Mensch verletzt werden, sind Schmerzensgeld und Schadenersatzklagen die unvermeidliche Konsequenz. Es spielt auch keine Rolle, wie freundlich und gutmütig ein Hund ist: Auf andere Spaziergänger zuzustürmen und zur Begrüßung an diesen hochzuspringen, muss für jeden Hund ein absolutes Tabu sein. Hundeerziehung beginnt bereits im Welpenalter und ist ein lebenslanger Prozess.

 

Ob er den Hunde-Knigge liest?

Ob er den Hunde-Knigge liest?

Ein Hund ist ein Hund

Einer der größten Fehler, den viele Hundehalter machen, ist die „Vermenschlichung“ ihres Haustieres. Sie betrachten den Hund als ein Mitglied der Familie, ohne dabei zu berücksichtigen, dass der Hund sich selbst als Teil eines Rudels sieht. Innerhalb eines Rudels gibt es eine feste Hierarchie und jeder Angehörige muss sich in diese Rangordnung einfügen. Der Hund muss daher von Anfang an „begreifen“, welchen Platz er in dieser Hierarchie einnimmt. Das erleichtert die Erziehung des Hundes und gibt diesem ein Gefühl von Zugehörigkeit und Sicherheit. Hunde fügen sich nicht wegen einer Belohnung in die Struktur des Rudels ein, sondern deshalb, weil ihnen das Rudel Schutz bietet und die Nahrungsbeschaffung erleichtert. Die Rudelbildung wird durch die Fähigkeit des Hundes zum Eingehen starker sozialer Bindungen ermöglicht.
Konsequenz und das richtige Verhalten sind daher die entscheidenden Grundelemente jeder erfolgreichen Hundeerziehung.

 

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Fuß, Sitz, Platz, Bleib und Aus – Die Basics

An dieser Stelle seien zwei Vergleiche zwischen Kinder- und Hundeerziehung gestattet. Kinder verstehen, dass es von Zeit zu Zeit und abhängig von der Situation Ausnahmen von Regeln gibt, ohne dass dadurch diese Regeln generell außer Kraft gesetzt werden. Hunden fehlt diese Art von Verständnis. Daher ist es bei der Erziehung eines Hundes besonders wichtig, einmal aufgestellte Regeln konsequent einzuhalten. Andernfalls läuft man Gefahr, dass das Tier im Zweifel seinen Instinkten und Trieben folgt, sein Herrchen oder Frauchen nicht mehr als das Alphatier des Rudels anerkennt und sich an keinerlei Befehle mehr gebunden fühlt. Beim zweiten Vergleich geht es um den Einsatz von Futter beziehungsweise „Leckerchen“ zur Erreichung der Erziehungsziele. Nehmen wir als Beispiel die Verkehrserziehung von Kindern. Es ist wenig sinnvoll, Kinder jedes Mal mit Süßigkeiten oder Spielzeug zu belohnen, wenn sie das im Straßenverkehr richtige Verhalten beherzigen. Im Umkehrschluss bedeutet dies nämlich: Wenn es keine Belohnung gibt, müssen die Regeln auch nicht befolgt werden. Das dies sehr schnell tödliche Folgen haben kann, dürfte wohl jedem klar sein. Gerade bei der Verkehrserziehung sind daher Lob und Tadel die Mittel der Wahl. Das Gleiche gilt, wenn es darum geht, den Hund an die grundlegenden Verhaltensrichtlinien und die Basisbefehle zu gewöhnen. Hier gilt, der Ton macht die Musik. Es ist wichtig, dass der Hund aus der Tonlage erkennen kann, ob er gelobt oder getadelt wird. Von entscheidender Bedeutung ist hier auch die Unmittelbarkeit der Reaktion. Es macht wenig Sinn, das Tier zeitversetzt zu loben oder zu tadeln, da es dem Hund nicht mehr möglich ist, eine Verbindung zwischen Ursache und Wirkung herzustellen.
Einen Hund an die Grundbefehle „Fuß“, „Sitz“, „Platz“, „Bleib“ und „Aus“ zu gewöhnen, erfordert neben Geduld vor allem das „richtige“ Verhalten. Ungehalten zu reagieren, wenn der Hund nicht oder nicht schnell genug auf einen Befehl reagiert, setzt diesen unnötig unter Stress und erschwert den Aufbau von Vertrauen. Dem Hund gar hinterherzulaufen, ist genau das Gegenteil von dem, was ein „Rudelführer“ tut. Es entspricht vielmehr der natürlichen Reaktion eines Tieres, sich zum Alphatier hin zu orientieren. Sich abzuwenden und sich vom Hund wegzubewegen, wird diesen weitaus eher dazu veranlassen, dem Befehl „Fuß“ Folge zu leisten. Generell gilt, dass es sinnvoll ist, alle verbalen Befehle durch ein Handzeichen zu ergänzen. Dadurch, dass gleichzeitig zwei Sinne angesprochen werden (auditiv, visuell), beschleunigt sich der Lernprozess. Feste Regeln und eine klare Hierarchie tragen neben guter Pflege, ausreichend Bewegung und artgerechter Ernährung entscheidend zu einem glücklichen Hundeleben bei.

 

Autor:

Klaus Strippel, Geschäftsführer von Hunde.de und Halter der quirligen Golden-Retriever-Dame Isolde, setzt sich mit den zahlreichen Themen rund um die Hundehaltung auseinander.

 

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