Giraffenbulle Edgar erhält Arthrose-Behandlung im Osnabrücker Zoo

Edgar ist 17 Jahre alt. Er hat damit schon ein stattliches Alter erreicht, aber wie bei allen Lebewesen ist das Alter mit diversen Zipperlein verbunden. Der Giraffenbulle hat Schmerzen. Dass er die Tierpfleger das sehen lässt, zeigt wie stark sie sein müssen. Sie haben einen Therapieplan für ihn erstellt. Das ganze Team war daran beteiligt. Der Zootierarzt Thomas Scheibe, Zoodirektor Böer, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Tierpflegern und auch mit anderen Zoos wurde sich darüber ausgetauscht. „Im Zoo werden die Tiere so alt, dass sie Alterskrankheiten bekommen können“, so Böer, „und jetzt ist es unsere Aufgabe, Edgars Lebensabend möglichst angenehm zu gestalten.“.

Derzeit therapieren wir unseren Giraffenbullen auf drei Ebenen: Wir gehen nach Methoden der klassischen Medizin vor, zum Beispiel mit Wärme“, erklärt der Zoodirektor, „Wärme tut bei Arthrose gut, denn sie fördert die Durchblutung, Abbaustoffe werden besser abtransportiert und Nährstoffe besser aufgenommen.“ Von der fortgeschrittenen Arthrose betroffen ist das vordere linke „Buggelenk“, das zwischen Schulterblatt und Oberarm sitzt. Die Tierpfleger installierten daher für Edgar eine Wärmeplatte in rund 2 Metern Höhe, so wärmen die Infrarotstrahlen das betroffene Gelenk.

Zoodirektor und Tierarzt Prof. Michael Böer schaut regelmäßig nach seinem Patienten und bespricht mit den Tierpflegern den Therapieverlauf.

Dr. Böer gibt Edgar eine Leckerei, ein Stück Banane. So schmecken Medikamente besser und auch Tierarzt und Zoodirektor Böer bleiben bei Edgar gern gesehene „Krankenbett“-Besucher.

Außerdem bekommt Edgar Nahrungsergänzungsmittel, die unter anderem die Knochen stärken.Zudem setzen wir homöopathische Mittel ein, die bei ihm gut anschlagen. So müssen wir glücklicherweise nur sehr selten Schmerzmittel verabreichen“, so Böer. Schmerzmittel rufen bei Tieren wie beim Menschen auch in höheren Dosen über längere Zeit Magenprobleme und Gewöhnungserscheinungen hervor. Beides wollen Zoodirektor und Tierarzt vermeiden. „Daher bekommt der Bulle verschiedene homöopathische Mittel, wie zum Beispiel ein Komplexmittel, das auch beim Menschen verwendet wird und auf natürliche Weise durch verschiedene Wirkstoffe Linderung verschafft. Ein anderes Mittel trägt zur Entgiftung des Körpers und zur Anregung der Stoffwechseltätigkeit bei – immer in Leckereien wie Bananen versteckt oder unter das übliche Futter gemischt“, erklärt der Zoodirektor weiter.

Die Therapie dient nicht der Heilung. Es geht darum, Edgar seinen letzten Lebensabschnitt so angenehm wie möglich zu machen. Deswegen ist er zurzeit auch nicht auf der Außenanlage zu sehen. Das wäre zu anstrengend für ihn. Besucher können ihn vom Besucherraum aus im Innenbereich beobachten. Edgar kam mit eineinhalb Jahren auf den Schölerberg und einige Pfleger kennen ihn somit fast sein ganzes Leben lang. „Er ist ein besonders lieber Bulle und uns allen sehr ans Herz gewachsen“, so Stephanie Batz, Tierpflegerin in der Afrika-Tierwelt „Samburu“. „Er war schon immer ein aufgewecktes Kerlchen und war uns Menschen oder den anderen Tieren auf der Anlage gegenüber nie aggressiv – es gibt Giraffenbullen, die durchaus weniger zimperlich sind und gezielt ausschlagen“. „Wir versuchen, Edgars Lebensabend so schön wie möglich zu gestalten. Er bekommt immer wieder kleine Snacks von uns, besonders gerne mag er Äpfel, Möhren und Porree“, so Batz.

Giraffenbulle Edgar bei seiner Familie auf dem Außengelände im Herbst 2015

Im vergangenen Herbst ging Giraffenbulle Edgar noch mit seiner Herde auf die Außenanlage – seit die Arthrose stärker geworden ist, bleibt er lieber im Stall und Vorhof.

Doch sollte er sich hinlegen und nicht mehr aufstehen, ist dies ein eindeutiges Zeichen für die Pfleger und das wissenschaftliche Team. Denn dies tun Giraffen nur, wenn ihre Zeit gekommen ist. Dann muss im Team aus Zootierarzt, Zoodirektor, wissenschaftlichen Mitarbeitern und Pflegern darüber entschieden werden, ob der Giraffenbulle erlöst wird. Denn sollte er nicht mehr aufstehen, bricht erst das Verdauungssystem zusammen, darauf folgt multiples Organversagen. „Die Entscheidung, ob und wann eine derartige Entscheidung getroffen werden muss, trifft das gesamte Team nur einstimmig – keine leichte Aufgabe, aber ein notweniges Muss im verantwortungsvollen Umgang mit Tieren“, so Böer.

Doch jetzt heißt es erst einmal „warten auf den Frühling“, denn wenn die Tage länger werden und der Schnee schmilzt, steigt mit den Temperaturen auch in der Regel das Wohlbefinden des beliebten Giraffenbullen.

1 Antwort

  1. 6. März 2016

    […] Edgar litt unter starker Arthrose und wurde sowohl mit Medikamenten, als auch Wärme behandelt (Tierparkinfo.de berichtete). Am Donnerstagmorgen fanden die Tierpflegerinnen Petra Kunze und Stephanie Batz Giraffe Edgar […]

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