Miguelin ist eingetroffen!

Miguelin kommt aus dem StallBreitmaulnashörner gehören zu den afrikanischen „Big Five“ und zu den bedrohtesten Tieren der Welt. Grund dafür sind die Menschen. Umso wichtiger ist es, dass andere Menschen sich darum bemühen, die Tierarten auch für unsere Nachkommen noch zu erhalten. Zu diesem Zwecke arbeiten Zoologische Gärten und Tierparks zusammen. Im Rahmen des Europäischen Erhaltungszucht-programms(EEP) der zoologischen Gärten fand nun ein Umzug statt. Den es geht darum, die Gene wertvoller Zuchtbullen an möglichst viele Nashorndamen weiterzugeben. Das vom niederländischen Safaripark Beekse Bergen gesteuerte europaweite Erhaltungszuchtprogramm für Breitmaulnashörner hat begründete Aussicht, in circa zehn Jahren eine von der Wildbahn komplett unabhängige sich selbst erhaltende Population dieser urigen Tiere zu schaffen. Mit diesem Zwischenziel vor Auge, ging vom niederländischen Kerkrade, das in der Nähe der deutschen Grenze bei Aachen liegt, auch Nashornbulle Miguel auf Reisen. Es reiste knapp 280 Kilometer nordöstlich in das niedersächsische Osnabrück.

„Ende des 19. Jahrhunderts galt das Südliche Breitmaulnashorn als so gut wie ausgestorben“, erklärt der Osnabrücker Zoodirektor Prof. Dr. Michael Böer. „Nach einem Jahrhundert intensiver Schutzbemühungen hatte sich der Bestand erholt. Doch die Wilderei – inzwischen paramilitärisch durch international tätige Syndikate organisiert – hat in den letzten Jahren leider noch nie dagewesene Ausmaße erreicht.“ Umso wichtiger ist es, durch Zucht die Arterhaltung zu unterstützen. „Für unsere drei, in der Aufzucht jüngerer Geschwister schon erfahrenen, Nashorndamen wäre es außerdem sehr schön selbst eigenen Nachwuchs im Sozialverband großzuziehen, weil das Familienleben in mehreren Generationen entscheidend zu deren Wohlbefinden beiträgt“, so Böer weiter.

Der achtzehnjährige Nashornbulle Miguelin aus dem GaiaZOO im niederländischen Kerkrade lebt als nun als neuer Zuchtbulle im Osnabrücker Zoo. Er ist bereits neunfacher Vater. Mit dem vorherige Zuchtbullen, Hans-Franz, war keine Nachzucht gelungen. Er lebte seit 1979 im Zoo Osnabrück und verstarb kinderlos im Alter von 38 Jahren im Januar 2015.

 

Nashornbulle Miguelin päsentiert sich selbstbewusst„Wir hoffen mit Miguelin erfolgreich züchten zu können – das wäre dann der erste Nashornnachwuchs hier im Zoo“, erklärt Tobias Klumpe, wissenschaftlicher Mitarbeiter, der den Transfer organisiert hat. Der im spanischen Cabarceno geborene Breitmaulnashornbulle hat nun erst einmal Zeit, sich einzugewöhnen. Nach der ersten Nacht im neuen Stall durfte er Freitagvormittag zunächst in den Vorhof. Auch an den Pfingsttagen wird Miguelin im Vorhof bleiben, bevor er anschließend einen Teil der Außenanlage kennen lernen wird. „Hier bleibt der Neuankömmling vorerst alleine, allerdings kann Miguelin die Kühe durch ein Kontaktgitter beschnuppern. Je nachdem wie die imposanten Dickhäuter aufeinander reagieren, werden sie nach einiger Zeit zusammen gelassen“, erläutert Klumpe das weitere Vorgehen. Riechen können die drittgrößten Landsäugetiere übrigens besser als Sehen: Sie können – bei passender Windrichtung – aus über 700 Metern die Witterung aufnehmen. Zu guter Letzt lernt Miguelin auch die Zebras und Pinselohrschweine kennen, die sich mit den Nashörnern die Anlage teilen.

Ein Schritt, folgt nach dem anderen. Die Nachzucht des Breitmaulnashorns ist aufgrund des Bedrohungsstatus enorm wichtig. In den vergangenen zwei Jahren versuchte man daher, in Zusammenarbeit mit dem „Leibnitz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung“, die drei Zuchtkühe Lia, Marcita und Amalie künstlich zu besamen. Auch so stllte sich kein Nachwuchs ein. „Durch Miguelin haben wir neue Hoffnung auf Nashorn-Nachwuchs, schließlich ist er bereits neunfacher Vater“, freut sich Klumpe. Besucher und Zoomitarbeiter müssen sich aber noch gedulden, um zukünftig kleine Nashörner im „Tal der grauen Riesen“ beobachten zu können: Die gefährdeten Dickhäuter tragen circa eineinhalb Jahre, bevor sie ihr Kalb zur Welt bringen.

Miguel frisst in aller RuheJetzt haben die Besucher erst einmal die Gelegenheit, Miguelin und seine Wesensart kennenzulernen und zu erleben, wie er mit „seinen Damen“ zurechtkommt.
– Ihre Carmen Splitt, Tierparkinfo.de

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