Wärme für öffentliche Gebäude nun aus dem Zoo

Kooperationen zwischen öffentlicher Hand und Zoologischen Einrichtungen verlaufen normalerweise dergestalt, dass eine Zusammenarbeit im Bereich der Tourismusförderung erfolgt. Doch es gibt auch andere Ziele, auf die man gemeinsam hinarbeiten kann. Zum Beispiel beim Thema Nachhaltigkeit. Der Landkreis Osnabrück hat sich zum Beispiel selbst das Ziel gesteckt, eine 80%ige CO2-Einsparung bei der Wärmeversorgung zu erreichen. Und er wendet sich an einen Kooperationspartner, der auf den ersten Blick recht ungewöhnlich ist, den Zoo Osnabrück.

Landkreis und Zoo ziehen an einem Strang

Mit Holzhackschnitzeln auf regenerative Energie umsatteln: Der Landkreis wird an das Nahwärmenetz des Zoos angeschlossen und spart so 80 Prozent CO2 im Bereich Wärme. (v.l.n.r.: Roland Hemsath (Landkreis Osnabrück, Fachdienst Service), Erster Kreisrat Stefan Muhle, Energieberater Frank Hanneken, Zoogeschäftsführer Andreas Busemann, Jörg Schomborg (Landwirtschaftskammer Niedersachsen), Martin Andrees (Hauptverband des Osnabrücker Landvolkes).

Er beliefert in Kürze die angrenzende Verwaltung des Landkreises Osnabrück, das Haus der Landwirtschaft, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und die Niedersächsische Landesgesellschaft mit Wärme per Nahwärmenetz . Das netzt wird gespeist mit regenerativer Energie, gewonnen mit Hackschnitzel- und Blockheizkraftwerk.

„Unser eigenes Energiesparprogramm hatten wir vor circa neun Jahren mit Hilfe der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und den Stadtwerken Osnabrück angestoßen. Dabei haben wir alle Häuser im Zoo und ihren Energieverbrauch genau unter die Lupe genommen“, berichtete Zoogeschäftsführer Andreas Busemann beim Pressetermin. Auch ein zooeigenes Nahwärmenetz wurde errichtet, an das schon damals das benachbarte Naturkundemuseum angeschlossen wurde. Nun werden zwei weitere Wärmeleitungen vom Heizhaus Richtung Landkreisverwaltung gelegt, wie Energieberater Dipl. Ing. Frank Hanneken erläutert: „Ein mit Hackschnitzel aus regionaler Herkunft betriebener Biomassekessel dient als Hauptwärmeerzeuger, ein Biomethan- Blockheizkraftwerk kann flexibel betrieben werden und eine Gasheizung steht zur Notversorgung bereit.“ Zusätzlich wird ein großer Pufferspeicher mit 300 Kubikmeter Volumen aufgestellt, um Leistungsspitzen im Wärmenetz abzufangen bzw. geplante Wartungsintervalle zu überbrücken.

Der Landkreis Osnabrück freut besonders, sich dank der Kooperation die eigene Heizungsanlage ersetzen zu können. Immerhin hat sie mit 33 Jahre ein stolzes Alter erreicht und ist nach heutigen Maßstäben längst nicht mehr ökologisch zu verantworten. Von der Störanfälligkeit ganz zu schweigen. Der Landkreis wurde bereits im Jahr 2011 als eine von 19 Modellregionen bundesweit als Vorreiter für die Energiewende ausgewählt: „Dieser Umstand erfüllt den Landkreis mit Stolz, nimmt uns aber auch in die Pflicht“, so Stefan Muhle, Erster Kreisrat des Landkreises Osnabrück. Im Rahmen dieses Klimaschutzmasterplans prüft der Landkreis Osnabrück bei allen Projekten die Machbarkeit einer erheblichen Reduktion der Treibhausgase gegenüber dem Basisjahr 1990. Die zukünftige Wärmeversorgung wurde auf Basis einer Nahwärmeversorgung mit Lieferbeginn ab dem 01.10.2015 europaweit neu ausgeschrieben. Die zu liefernde Heizwärme soll im Jahresmittel zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt werden. „Hierzu konnte der Zoo Osnabrück ein den Anforderungen entsprechendes geeignetes und wirtschaftliches Angebot abliefern und erhielt dementsprechend den Zuschlag“, freut sich Zoogeschäftsführer Busemann.

Zur Abdeckung von Not- und Spitzenlastzeiten betreibt das Kreishaus weiterhin eine kleinere separate Heizungsanlage.
„Durch den Abschluss des Wärmelieferungsvertrages mit dem Osnabrücker Zoo erreicht der Landkreis Osnabrück zukünftig dauerhaft das sich selbst gesteckte Ziel von einer 80prozentigen CO2-Einsparung“, so Muhle. Dies führt zu einer voraussichtlichen durchschnittlichen jährlichen CO2-Einsparung gegenüber dem Ist-Zustand von rund 615,5 Tonnen pro Jahr bzw. 476,9 Tonnen pro Jahr im Vergleich zu einer neuen Erdgasheizungsanlage. Der Heizwärmevertrag ist auf eine zehnjährige Dauer mit einer einmaligen Verlängerungsoption von fünf Jahren ausgelegt.

Der Zoo Osnabrück wird die bestehenden Anlagen, einen Hackschnitzelkessel (950 kWth.) ein Blockheizkraftwerk (264 kWth.) und eine Gasheizung (560 kWth..), noch um ein BHKW (891 kWth.) und eine Gasheizung (1.500 kWth.) ergänzen. „Während der Hackschnitzelkessel im gesamten Jahr läuft, werden die flexibel betriebenen Biomethan- Blockheizkraftwerke nur im Winter unterstützen“, so Hanneken. Die Gasheizungen stehen für Notfälle zur Verfügung. „Die Investitionskosten liegen bei circa 500.000 Euro, diese werden sich aber in circa fünf Jahren amortisiert haben“, erläutert Zoogeschäftsführer Busemann. „Beide Institutionen verbindet der Gedanke des Klimaschutzes und der Nutzung von regenerativen Energien. Es ist toll, dass wir die nachbarschaftliche Beziehung und die bisherigen Kooperationen so weiter vertiefen können.“ Die Bauarbeiten starten im August. Die Leitungen über eine Strecke von 428 Metern sollen bis Oktober verlegt und angeschlossen sein.

Eine ungewöhnliche Kooperation, die bundesweit Schule machen könnte. Sie gereicht allen zum Vorteil, den Städten und Landkreisen, den Zoos und Tierparks, den Bürgern und der Umwelt. 

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