Tierbeschäftigung in Zoos und Tierparks

Was ist das eigentlich, „Tierbeschäftigung“ und welchen Zweck hat sie?

Tierbeschäftigung, auch als „enrichment for animals“ bekannt, gehört zu den wichtigsten Aufgaben bei der Haltung von Tieren. Das gilt nicht nur, aber besonders stark, in der Zootierhaltung.

Die Tierbeschäftigung hat (je nach Kontext) unterschiedliche Schwerpunkte, die zum Teil fließend ineinander übergehen. Grundsätzlich sind drei Schwerpunkte festzustellen:

  1. der Mensch beschäftigt sich mit dem Tier.
  2. der Mensch stellt Gegenstände zur Verfügung, mit denen das Tier sich beschäftigt
  3. der Mensch vergesellschaftet das Tier mit anderen Tieren. Sie beschäftigen sich miteinander.
Geruchsspuren sind eine der Möglichkeiten der Tierbeschäftigung.

Was ist das nur?

Bei der ersten Variante ist eine direkte Interaktion zwischen Mensch und Tier erforderlich. Sie wird vor allem dann angewendet, wenn eine Bindung des Tieres zum Menschen aufgebaut oder verstärkt werden soll. Gute Beispiele sind hierfür die Spiele mit Haustieren wie Hunden oder Katzen. Genauso zählen die vertrauensaufbauenden Übungen in der Domptage in Zirkusbetrieben oder das Bindungstraining von Diensthunden durch ihre Diensthundeführer dazu. Der Mensch gibt jeweils sehr konkret vor, womit das Tier sich beschäftigen soll.

Im zweiten Fall gibt der Mensch dem Tier etwas. Das kann direkt sein, indem er es ihm zum Beispiel zuwirft. Es kann auch indirekt erfolgen, dadurch, dass Gegenstände zum Beispiel hingelegt, aufgehängt, vergraben oder anderweitig versteckt werden, das Tier aber erst darauf zugreift wenn der Mensch nicht mehr involviert ist. Der Mensch hat vorher den Raum, den Garten, das Gehege,… verlassen. Er gibt dem Tier nicht konkret vor, womit es sich zu beschäftigen hat. Das Tier entscheidet, was es am meisten interessiert und womit es sich beschäftigt.

Die dritte Version lässt den Menschen ebenfalls nur initial tätig werden. Er bestimmt, welche Tiere miteinander vergesellschaftet werden. Er hat jedoch nur sehr geringen, bis gar keinen, Einfluss darauf, in welcher Form die Tiere sich miteinander beschäftigen. Es gibt keinerlei Vorgabemöglichkeiten.

Der Zweck der Tierbeschäftigung in Zoos und Tierparks

Die Tierbeschäftigung hat mehrere Ziele zugleich. Je nach angestrebtem Hauptziel, wird die Form der Tierbeschäftigung gewählt. Die erste Variante wird in Zoos und Tierparks nur selten angewendet und dient dann hauptsächlich dem Zweck, sich dem Tier bei Notfällen (wie Erkrankungen oder Verletzungen) aufgrund der entstandenen Bindung auch ohne Einsatz von Betäubungsmitteln nähern zu können. Den TierpflerInnen sind dabei allerdings Grenzen durch das Gefahrenpotenzial der jeweiligen Tierart gesetzt.

Die zweite und dritte Variante tragen zum Erhalt und zur Stärkung der Gesundheit des Tieres bei. Sie fördern sowohl die körperliche, als auch die geistige Gesundheit der Individuen. Außerdem dienen sie der Interaktion der Tiere untereinander und somit der Grupendynamik. Des Weiteren ___STEADY_PAYWALL___ können sich auch die anwesenden Zoobesucher an dem Geschehen erfreuen und beobachten, wie die Tiere sich in ungewohnten Situationen verhalten. Ab und an kann sich auch die Tierpflegerin/ der Tierpfleger einen Moment dafür Zeit nehmen und so die eine oder andere Vorliebe bei „ihren/ seinen“ Schützlingen entdecken.

Was kann genutzt werden, um Tiere zu beschäftigen?

Vergesellschaftung als Tierbeschäftigung

Vergesellschaftung von Zebras und Dromedare.

Für die Beschäftigung von Tieren bieten sich verschiedene Möglichkeiten an. Dazu zählen:

  • Futtergabe mit eingebauten „Schwierigkeiten“
  • Geruchsspuren
  • Spielzeug in diversen Varianten
  • visuelle und/ oder akustische Reize

So können zum Beispiel Futterportionen in Bäumen aufgehängt, hinter Felsen versteckt oder vergraben werden. Gewürze vertreut oder aber auch Fell, Federn und Ausscheidungen von anderen Tierarten können im Gehege verteilt werden. Die Tiere sind eine Weile damit beschäftigt, nach den „Fremden“ im eigenen Gebiet zu suchen.

Spielzeuge haben bei den Tieren eine unterschiedliche „Überlebensdauer“. Keas haben zum Beispiel die Gewohnheit in kürzester Zeit mit ihrem Schnabel alles auseinanderzunehmen. Bären knacken jeden noch so starken Spezialball innerhalb von Minuten. Mit T-Shirts und Bettlaken haben Menschenaffen mehrere Stunden ihren Spaß. Das alles ist mit relativ wenig Aufwand zu erreichen.

Eine Gehege-Umgestaltung ist dagegen zwar eine sehr aufwendige Form der Tierbeschäftigung, doch die Tiere erkunden die für sie „neue“ Umgebung genau und sind über einen längeren Zeitraum beschäftigt. Es ist, als wären sie in freier Wildbahn in ein neues Gebiet gewandert. Es muss kontrolliert werden, ob sich Fressfeinde darin aufhalten oder Artgenossen, die bei der Parnerwahl zur Konkurrenz werden könnten. Es wird geschaut, wo der perfekte Kratzbaum zu finden ist und natürlich, von wo aus man den besten Blick auf die vielen Zoo- und Tierparkbesucher hat. Denn neben all den Dingen, die der Mensch dem Tier bewusst anbietet, um ihn zu beschäftigen, ist er selbst ebenfalls ein Bestandteil der Tierbeschäftigung. Insbesondere dann, wenn sie sich verrenken und eigenartige Grimassen schneiden, um die Aufmerksamkeit der Tiere zu erreichen. Doch es bleibt dabei, dass Tierbeschäftigung zu den wichtigsten Aufgaben von Tierpflegern zählen. (Welche anderen es gibt, kannst Du in diesem Artikel nachlesen.) Kreativität gehört zum Berufsbild. Dabei sind sie jedoch nicht auf den eigenen Erfindungsgeist angewiesen.

Woher kommen die Beschäftigungsmittel für die Tiere?

Viele der Beschäftigungsmittel werden von den TierpflegerInnen selbst erstellt. Da wird gesägt, gebastelt, gebacken, was das Zeug hält. Es gibt einen regelrechten kleinen Wettbewerb zwischen den Revieren, wessen Ideen von den Tieren am besten angenommen werden und sie am längsten beschäftigt halten. Auch die BesucherInnen werden teilweise mit eingebunden, indem sie zur Beteiligung aufgerufen werden. An manchen Aktionstagen können sie zum Beispiel Futterpäckchen selbst herstellen und dann dabei sein, wenn diese an die Tiere verfüttert werden.

Andere Beschäftigungsmittel werden gespendet. In Frage kommen da zum Beispiel Bettlaken und T-Shirts, aber auch nicht mehr genutzte Fußbälle oder Tennisbälle. (Ein wichtiger Hinweis: Bitte zuerst im Zoo/ Tierpark nachfragen, bevor Du spontan mit Deiner Spende vorbeikommst. Nicht alles kann noch verwendet werden.) Wieder andere Dinge werden gesponsert. Sowohl die Tiere, als auch die Einrichtungen freuen sich darüber, wenn Unternehmen oder Vereine an sie denken.

Es gibt unzählige Varianten in der Tierbeschäftigung. Du hast selbst bestimmt schon einiges davon in Zoos und Tierparks gesehen. Welche Tierbeschäftigung hat Dir dabei besonders gut gefallen? Ich freue mich auf Deinen Kommentar!

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